Jahresbericht der Buckfastimker
Sachsen-Anhalt - Thüringen 2009

Das Bienenjahr 2009 zählt zu den weniger erfolgreichen Jahren. Einer guten Frühtracht einschließlich Raps und Akazie folgte ein nasser und kalter Juni.

Einem langen und kalten Winter, meine Bienen gingen erst Anfang April mit der Weidenblüte in Brut, folgte ein rasanter Frühling, der nahtlos in den Sommer überging. Zu Ostern, also nur 14 Tage nach der Weide, blühten die Buschwindröschen und die ersten Kirschen gleichzeitig. Dieses Phänomen habe ich in über 40 Jahren Imkerei nicht erlebt. Diese rasante Frühjahrsentwicklung, insbesondere das Fehlen der Entwicklungszeiträume von mindestens 6 Wochen zwischen Weidenblüte, Buschwindröschen oder Stachelbeere bis zum Beginn der Obstblüte, sind eindeutige Hinweise auf eine Klimaveränderung, die an unsere Bienen hohe Anforderungen stellt, denn an den 21 Tagen von der Eiablage bis zum Schlupf der Biene hat sich nichts geändert. Das heißt wir brauchen eine langlebige Biene, die auch nach der Kirschblüte den Völkern zur Verfügung steht, und wir müssen mit weitaus stärkeren Völkern in den Winter gehen, wenn wir Anspruch auf eine gute Frühtracht haben wollen. Die Kirschblüte in 2009 haben ausschließlich die Winterbienen bestreiten müssen. Selbst zu Beginn der Rapsblüte waren nur wenige flugfähige Jungbienen im Stock. Dennoch haben wir mit guten Völkern 3 bis 4 Honigaufsätze erzielen können.

Die folgende Akazientracht überschnitt sich mit der Rapsblüte, so dass in meinem Betrieb die Erträge der Völker, die ausschließlich im Raps standen mit den Akazienvölkern gleich lagen. So schnell die Akazienblüte kam, so schnell wurde sie durch anhaltenden Regen und Kälte auch wieder beendet. Leider brachten die folgenden Wochen keine nennenswerten Erträge, so gab es kaum eine Sommertracht, Lindenhonig gab es reichlich im Berliner Raum und in den Großstädten wie Leipzig und München. Im freien Land hat die Linde wohl gut geblüht aber auf Grund der niedrigen Nachttemperaturen, mit 10°C und darunter, selbst bei Tagestemperaturen von ca 30°C nicht gehonigt. Im Mittelgebirge (Thüringer Wald und Harz) gab es akute Hungerprobleme. Während die Carnicavölker aus der Brut gingen, produzierten unsere Buckfastvölker sehr kurzlebige Bienen.

Weil ich im vergangenem Jahr große Probleme mit kandiertem Rapshonig bei den folgenden Trachten im Schleuderraum hatte, habe ich in diesem Jahr den Rapshonig schärfer abgeerntet und mir damit jede Chance auf einen Erfolg in den folgenden Trachten genommen.

Besonders schlimm sah es dann in der Sonnenblumenblüte aus. Mit ca. 40 Völkern in einem Schlag von ca. 50 Hektar stehend bin ich schnell mit den Futtertrögen raus gefahren, weil die ersten Bienen bereits rieselten. Deshalb war die folgende Anwanderung der Luzerne für meine Bienen ein wertvoller Genesungsprozess. Wer im August noch eine gute Blüte hatte konnte auch noch Honig ernten. Die Heidetracht hat die hohen Erwartungen aber nicht erfüllen können. Lediglich zu Beginn der Heideblüte gab es nennenswerte Einträge. Mitte September kamen einige Völker brutfrei aus der Heid zurück, also haben sie die letzten Wochen in der Heide auch nichts gefunden. Meinen Bienen ging es damit in diesem Jahr so schlecht wie noch nie, u.a. aber auch weil die Probleme des Pflanzenschutzes zunehmen und die Agrogentechnik Angst macht.

Als Dr. Wallner von der Uni Hohenheim zur Biolandimkertagung im Februar 2009 uns Imkern die Empfehlung gab mit unseren Bienen in die Städte zu flüchten, glaubte ich im falschem Film zu sein, aber seine Worte klingelten in diesem Jahr sehr oft in meinen Ohren.

Um es deutlich zu sagen, auch in 2009 litten unsere Völker im Raps unter den Nervengiftbeizen der Rapspflanzen und der eingetragene Rapspollen verfolgte noch manches Bienenvolk das gesamte Jahr hindurch.

Bezüglich der Grünen Gentechnik wird unser Michael Grolm noch ausführlicher sprechen. Ich habe größte Hochachtung vor seinen Gendreck-weg Aktivitäten. Für mich liegen das Augsburger Gerichtsurteil mit der Entsorgung von deutschem Imkerhonig als Sondermüll und die politisch geprägten Gerichtsurteile gegen Michael Grolm und seine Mitstreiter auf einem Tisch. Dazwischen bleibt uns Imkern nicht mehr viel Luft zum leben.

Wir brauchen künftig Bienenreservate – gentechnikfreie Zonen! Ich empfehle künftig stärker den ökologischen Landbau zu tangieren oder geschützte Biotope für die Imkerei zu nutzen. Bei letzteren müssen wir uns dringend mit den verschiedenen Schutzstatuten beschäftigen und sollten mit unseren Bienen in den verschiedenen Naturschutzgebieten aktiv mitarbeiten.

Die Zucht lief in diesem Jahr relativ gut. Die Begattungsergebnisse lagen zwischen 80 und 95 %. Bei größeren Ausfällen müssen wir immer wieder zuerst die Fehler bei uns selbst suchen, um beim nächsten mal erfolgreicher zu sein. Die Anlieferung auf Lautenthal war insbesondere in der 1.Junihäfte überwältigend. Bereits am 1. Wochenende wurden über 700 Königinnen angeliefert, insgesamt wurden über 2000 Königinnen zur Begattung aufgestellt. Die 24 Drohnenvölkern durften genügend Drohnen für die Begattung gebracht haben. Über die Gestellung der Begattungseinheiten werden wir heute noch sprechen müssen, denn hier werden die größten Fehler gemacht.

Aus unserem Landesverband haben Michael Nehrling, Enrico Seliga, Hans-Joachim Helbig, Gerald und Ralf Kolbe, Mike Wünscher,Gerd und Bernd Brix verschiedene Belegstellen beschickt. Insgesamt wurden nach meinem Kenntnisstand ca. 400 Königinnen auf verschiedenen Belegstellen begattet, 30 Königinnen künstlich besamt und weitere 400 Weiseln auf sogenannten Landbelegstellen oder am eigenen Stand zur Begattung aufgestellt. Mit weiteren 800 Weiseln wurde auch in 2009 wieder die Belegstelle Weißberg vom Gunter Eckart beschickt. Weißberg ist nach wie vor eine gute Alternative zu Lautenthal. Ich beschicke die Belegstelle Weißberg seit 2003. In diesem Jahr stand auf Weißberg mit der B110 von Thomas Rüppel die gleiche Drohnenlinie, die im Vorjahr auf Baltrum zum Einsatz kam. Die Anpaarungen mit der B110 haben sehr starke Völker gebracht, aber leider auch etwas Schwarmtriebigkeit. Ich bin dennoch sehr beeindruckt von dieser Biene, weil ich ihr mit Ihrer Brutfreudigkeit und Volksstärke für die Zukunft einiges zu traue. Im kommenden Jahr wird auf Weißberg mit der B137 eine Fehrenbachlinie zum Einsatz kommen.

In Lautenthal stand mit der B20 von Thomas Rüppel in diesem Jahr eine sehr gute Medalinie. Ich selbst habe 5 Drohnenvölker gestellt und weitere 5 Wirtschaftsvölker dieser Linie gehabt, die insgesamt überzeugen konnten. Es ist wie immer auf Lautenthal eine sehr sanftmütige und schwarmträge Biene. In der Varroanfälligkeit und der Robustheit gab es einige Unterschiede die ich in der Selektion berücksichtigen werde, denn es wird meine erste Drohnenlinie sein, die ich im folgenden Jahr in die Zucht nehmen werde. Die gleiche Biene, nur in der letzten Generation anders angepaart wird im kommenden Jahr auf Baltrum stehen. Auf Lautenthal werden im kommenden Jahr Drohnenvölker von der B25 von Christian Salau zum Einsatz kommen. Diese Biene macht einen sehr guten Eindruck, sie ist ausgesprochen einheitlich in der Farbe, womit eine relativ einheitliche Genetik verknüpft werden kann, sie ist wieder sehr ruhig, evt. besser als die B444 von 2008 und hat auch in der Brutanlage und der Volksentwicklung in den Mini`s einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Beim Eugen Neuhauser wurden vom Mike Wünscher, Gerd und Bernd Brix ca. 70 Königinnen erfolgreich zur Begattung aufgestellt. Seine Drohnenlinie die B234 soll sich besonders durch eine gute Langlebigkeit auszeichnen. Wir sind sehr gespannt. Mike und ich wir haben von ihm jeweils eine sehr gute Medakönigin bekommen, während bei Gerd eine sehr alte und bewährte B505 und …….ist. Beide Königinnen, die Gerd erhalten hat sind 2008 gezogen und vom Eugen in seinen Selektionen vorgeprüft. Es empfiehlt sich deshalb diese Biene für den Umlarvtag im kommenden Jahr zu nutzen!

Der Umlarvtag in diesem Jahr hat sich zu einem kleinen Bienenmarkt entwickelt. Neben der kostenfreien Zuchtstoffabgabe wurden schlupfreife Weiselzellen und Jungköniginnen zur Verfügung gestellt. Die Nachfrage nach standbegatteten Königinnen, auch wenn ich sie im Geiseltal unter relativ guten Bedingungen begatten lasse, ist nicht gut. Wir haben uns zur Abgabe von gutem Buckfastmaterial verpflichtet und dazu gehört eine standbegattete Weisel nicht. Ich empfehle deshalb dringend die Angebote Zuchtstoff, schlupfreife Zellen, unbegattete Jungköniginnen als preiswerte Alternative zu nutzen. Selbstverständlich sind belegstellenbegattete Königinnen immer das bessere Ausgangsmaterial, aber nicht jede Königin von der Belegstelle ist gleich eine Zuchtweisel. Hier empfiehlt es sich im Herbst oder im folgenden Frühjahr geprüfte Zuchtköniginnen zu holen. Solche Weiseln stelle ich gern zur Verfügung, weil sie mir eine gute Genreserve sind. Wir werden den Umlarvtag in gewohnter Weise auch im kommenden Jahr bei Gerd Brix durchführen und hoffen insgesamt auf eine noch größere Zuchtbeteiligung aller Mitglieder, denn wir sind ein Zuchtverband und da haben wir noch erhebliche Reserven!

Sehr positiv möchte ich die Entwicklung unseres Landesverbandes einschätzen. Wir zählen z.Zt. 54 Mitglieder, auch wenn uns einige Sachsen evt. verlassen und in Ihren eigenen Landesverband wechseln werden, so ist damit doch eine gute Basis für die Buckfastbiene entstanden, welche mit den Imkerfreunden um Gunter Eckart noch verstärkt wird. Für die Wahlen im kommenden Jahr werden noch neue Vorstandmitglieder gesucht, Mathias Cressin bittet aus familiären Gründen um Entlastung, die einstweilen Mike Wünscher übernimmt.

Ich möchte mich an dieser Stelle beim Mike für seine zuverlässige Arbeit bedanken, denn er ist inzwischen die Seele unseres Verbandes. Mir selbst fehlt oft die Zeit um meine Vorstellungen zu realisieren.

Abschließend noch einige Gedanken zur Varroatoleranzzucht.

Ich selbst bin kein Freund vom kontrollierten Bienensterben, wie es in der Varroatoleranzzucht betrieben wird. Ich halte und züchte Bienen und möchte diese fliegen sehen.

Das Jahr 2009 war eigentlich hinsichtlich der Varroa kein schwieriges Jahr, denn der Kalte und lange Winter hat die Varroapopulation für das Frühjahr relativ niedrig gehalten. Das späte Frühjahr hat ein bis zwei Brutperioden weniger in diesem Jahr gebracht und somit auch der Varroa Einhalt geboten. Dort wo unsere Bienen im Sommer aus Trachtmangel die Bruttätigkeit eingestellt haben wurde auch die Entwicklung der Varroa gestoppt. Zugleich führte aber die fehlende Tracht in der 2. Sommerhälfte zur Stagnation in unseren Bienenvölkern und damit zur Varroavermehrung. Wer hier nicht rechtzeitig eingegriffen hat, der hat bereits wieder hohe Verluste und die sind auf einigen Ständen beängstigend. Man spricht regional bereits von 30 bis 50% Verlusten. Ich hoffe dass davon unsere Buckfastbienen noch nicht betroffen sind. Ich selbst habe in diesem Jahr ausschließlich mit Bienenwohl nach den Empfehlungen vom Werner Gerdes gearbeitet und bin bis jetzt optimistisch, zumindest sind die Völker gut in den Winter gegangen, es zeigten sich aber auch auf einigen Ständen Probleme!

In der Zucht auf dem Weg zu einer varroatolleranten Biene haben wir in der Buckfastzucht einige Vorteile , die wir nutzen sollten. Wir müssen sehr viel mehr nach den Eigenschaften selektieren, die die Varroapopulation beeinflussen, wenn gleich das Erscheinungsbild trügen kann. Ein stark befallenes Bienenvolk mit sichtbaren Varroaschäden hat nichts in der Zucht zu suchen!

Ein sehr wesentlicher Aspekt der Varroatolleranzzucht ist das Putzverhalten. Beim genaueren beobachten müssen wir feststellen, dass es hier sehr große Unterschiede gibt. Imkerfreund Eugen Neuhauser zeigt uns immer wieder Völker mit einem sehr sauberen Wabenbau, die Oberträger der Rähmchen sind wie geleckt. Hier werden hinsichtlich des Putzverhaltens markante Unterschiede sichtbar. Leider wird das Putz- oder Hygieneverhalten unserer Honigbiene nur resseziv vererbt. Wir sollten deshalb dieser Eigenschaft bei der Selektion mehr Aufmerksamkeit schenken.

Ein weiterer sehr wesentlicher Aspekt ist das Brutverhalten. Nicht nur im Zusammenhang mit der Varroa, sondern auch bedingt durch die zunehmenden Brutkrankheiten müssen wir der Vitalität der Brut sehr viel Aufmerksamkeit schenken. Ein Bienenvolk, welches auch in der 2. Sommerhälfte noch ein ausgedehntes und geschlossenes Brutnest pflegt hat besser Chancen mit gesunden Bienen in den Winter zu gehen. Es scheint aber auch so, dass das Königinpheromon einen Einfluss auf die Varropopulation hat und ein Volk mit einem ausgedehntem Brutnest hat auch eine gute Königin mit starkem Pheromon. Es hat sich gezeigt, dass ein stark befallenes Volk durch Zusetzen eines Ablegers mit einer guten jungen Königin nach vorheriger Behandlung noch zu retten ist.

Drittens ist die Vitalität der Biene selbst ein sehr bedeutsamer Aspekt. Es gibt Bienenvölker, die mit einer relativ hohen Varroabelastung noch fertig werden, während andere bereits bei geringerem Befall zusammen brechen. Sicher spielen hier die Resistenzen gegenüber der Nosema und den Viren eine große Rolle, aber die generelle Langlebigkeit unserer Bienen muss dringend verbessert werden. Dabei spielen natürlich auch viele Aspekte der imkerlichen Betriebsweise eine große Rolle. Das fängt bereits bei der Futterversorgung an. Es gibt immer noch Bienenvölker in der freien Natur, die trotz Varroa ohne Behandlung seit mehr als 10 Jahren existieren. Diese Bienen ernähren sich aber auch ausschließlich vom Honig und haben weniger Stressfaktoren, die wir Imker in das Bienenvolk tragen. Ich hatte vor Jahren in einen solchen Bienenschwarm sehr große Erwartungen gesetzt, konnte dieses Volk dann aber letztlich nicht über den Winter bringen. Für die Langlebigkeit und Abwehrkraft unserer Bienen spielt der Wärmehaushalt im Bienenvolk, insbesondere im Brutnest, eine große Rolle. Ein gut gepresstes Volk hat langlebigere und leistungsfähigere Bienen. Leider reduzieren wir mit unserem Säureeinsatz natürlich die Langlebigkeit unserer Bienen erheblich, deshalb sollte man sehr gezielt und möglichst wenig Säure zum Einsatz bringen. Eine gezielte Spätsommerbehandlung ist wesentlich besser als eine Behandlung im Spätherbst oder Winter, weil wir mit ihr die Winterbienen schädigen. Dennoch können wir auf die Winterbehandlung nicht gänzlich verzichten.

Zusammenfassend kann die Zucht auf Vorroatoleranz nur über das Putzverhalten, ein gut gepflegtes umfangreiches geschlossenes Brutnest und einer langlebigen und vitalen Biene zum Erfolg führen und hier haben wir mit dem Zuchtweg nach Bruder Adam gute Chancen auf Erfolg. Jede Verweichlichung durch fehlende Variabilität unserer Biene führt zum Misserfolg.

Ich wünsche allen Imkerfreunden ein besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Start ins neue Jahr und unseren Bienen ein lautes Summen im Frühjahr mit gesunden und leistungsfähigen Bienen.

Bernd Brix

Lodersleben,12.11.2009